Wir haben für Sie ein buntes und anspruchsvolles Programm aus Film und Kultur zusammengestellt, dass eine Brücke zwischen Afghanistan und Deutschland schlägt. Wir sind froh Ihnen Filme von den besten Filmemachern aus Afghanistan und Exil-Afghanen, die in Europa und in den USA leben, zeigen zu dürfen. Im folgenden wollen wir Sie Ihnen kurz vorstellen.
AFGHAN STAR
GB 2009
Dokumentarfilm
Format: 87 Min., digital, OmeU
Regie: Havana Marking
Kamera, Ton: Phil Stebbing
Schnitt: Ash Jenkins
Musik: Simon Russel
Produktion: Mike Lerner, Havana Marking, The Channel 4 British Documentary Foundation

Pop, als Inbegriff westlicher Sittenlosigkeit und Unmoral, hassen die Taliban und ihre ideologischen Handlanger wohl noch mehr als die (Freude an) Musik schlechthin. Darum ist es für alle Beteiligten kein geringes Risiko, die Suche nach dem nationalen „Superstar“ endlich auch an den Hindukusch zu bringen. Natürlich stehen auch hier die Sehnsucht nach Ruhm und kommerziellem Erfolg im Vordergrund, geht es zunächst einmal um ein Spektakel, das im gesamten Land und unter allen Bevölkerungsgruppen enorme Resonanz findet. Aber gleichwohl stehen beim afghanischen Pendant von DSDS sehr viel höhere Einsätze auf dem Spiel als hierzulande, vor allem für die weiblichen Teilnehmer. Ein paar ungelenke Tanzschritte und ein absichtsvoll ins Rutschen gebrachtes Kopftuch können eine nationale Kontroverse auslösen und zu sehr ernstzunehmenden Todesdrohungen führen. Zugleich gilt hier jedoch: One Call, One Vote! So bietet Afghan Star vielen Menschen ein sehr viel anschaulicheres Modell direkter Demokratie als die mit Misstrauen verfolgten Parlaments- und Präsidentschaftswahlen. Männer, Frauen, ethnische Minderheiten sind völlig gleichgestellt. Dies ist eine mehr als radikale Idee in einem Land, das noch immer von tradierten patriarchalen Strukturen bestimmt ist.
CIRCUS FOR LIFE
AFG 2008
Dokumentarfilm
Format: 30 Min.; digital, OmeU
Regie: Zarah Qadir
Kamera: Zarah Qadir, Don Gorman, Michael Healy
Schnitt: Ash Jenkins
Produktion: Zarah Qadir, Don Gorman, Sukan Abdul Bari
Auf durchweg sympathische Weise vermittelt die Dokumentation Einblicke in die Jugendarbeit eines Projekts, das sich Training & Educational Children's Circus of Afghanistan – nennt. Artistische Spitzenleistungen darf man hier weder von Schülern noch von Lehrern erwarten; handelt es sich doch nach westlichen Begriffen bei dem Mobilen Mini Zirkus für Kinder eher um eine Mischung aus Kindertagesstätte und Berufsschule. Den Jungen und Mädchen, wie sie die Kamera beobachtet, ist zu ihrem Glück am wenigsten bewusst, welches Privileg sie durch die Teilnahme an einer spielzentrierten und gewaltfreien Erziehung genießen. Umso mehr vermag die unbeschwerte Heiterkeit der Kinder jenen Betrachtern Hoffnung zu vermitteln, die die historischen – und leider auch aktuellen – Kontexte kennen, in die diese jugendkulturelle Oase eingebettet ist.
In Anwesenheit der Regisseurin Zarah Qadir.
TALABGAR / THE SUITOR
AFG 1969
Spielfilm
Format: 40. Min, s/w, digital
Regie: Khaled A'Lil
Verleih: Afghan Film Archives
Ein kleiner, unprätentiöser Schwarzweißfilm mit Nachrichten aus einem verschwundenen Land, in dem zwar – wie fast überall – Tradition und Moderne hart aufeinander stießen, Konflikte aber dennoch friedlich und notfalls mit Hilfe von Polizei und Gerichten beigelegt werden konnten. Ein Mann verguckt sich in ein Mädchen, präsentiert sich ihrem Vater unter Vorspiegelung falscher Tatsachen als Brautwerber, gerät auf die schiefe Bahn... All dies in Anzug mit Krawatte, Rollkragenpullover, Modellkleidern; keine Burka weit und breit. So wie das Afghanistan, von dem THE SUITOR erzählt, zwischen Altem und Neuem schwankt, so wenig kann sich der Film zwischen Komödie und Melodram entscheiden. Sicherlich: die Gesten der kinounerfahrenen Schauspieler wirken mitunter übertrieben, und manche Dialoge fallen arg hölzern aus – doch solchen Mängeln versucht die einfallsreiche, an Vorbildern der Nouvelle Vague geschulte Kamera-Arbeit kraftvoll entgegenzuwirken. Zum ungetrübten Vergnügen für den heutigen Betrachter wird THE SUITOR jedoch aus einem anderen Grund: Die simple Story lässt ihm Zeit genug, den Hintergrund des Gezeigten in den Vordergrund zu rücken: Die Betriebsamkeit der unzerstörten Stadt, das Ambiente der Cafés und Nachtlokale, Damenmode und -frisuren, und nicht zuletzt die eigentümlich vertraute Inneneinrichtung der großbürgerlichen Villa, die auch aus dem München der Reineckerschen Fernsehkrimis stammen könnte. Schade eigentlich, dass der Kommissar sich nicht blicken lässt.
RABIA BALKHI / RABIA OF BACTRIA
AFG 1965
Spielfilm
Format: s/w; 180 Min.; OmeU
Regie: Abdullah Shadaan
Kamera: Mohamad Rizayee
Drehbuch:Latif Nazimi
Schnitt: Toryalay Shataq
Set Design: Daoud Farani
Darsteller: Seema Shadaan, Abdullah Shadaan, Mohamad Nazir u.a.
Produktion: Nazir Film, Mohamad Nazir u. Mohamad Rizayee

Einst musste ein jedes Land, das auf sich hielt, nicht nur Hymne und Fahne, sondern auch seinen Monumentalfilm haben. Hatten sich europäische Völker im 19. Jahrhundert mittels nationaler Epen ihrer kollektiven Identität versichert, so sollte dies für die 'jungen' Nationalstaaten des 20. Jahrhunderts mit ihrer oft nicht lesekundigen Bevölkerung das Kino leisten. Afghanistan hat sich im Jahr 1965 mit RABIA BALKHI in diesen Reigen eingereiht, einem groß angelegten Historiendrama um die gleichnamige (erste und einzige) afghanische Königin. Diese hochgebildete, politisch versierte Frauenfigur steht im Zentrum des opulenten orientalischen Epos. Es geht um die ganz große Oper, Sex & Crime, Liebe, Macht, Intrigen und Verrat. Mit diesem bewährten, durchaus professionell angerichteten Menü sorgte RABIA BALKHI schon zur Entstehungszeit für großes Aufsehen: Seema in der Rolle der legendären 'Femme Forte' wurde zur nationalen Institution; mit Regisseur und Hauptdarsteller Abdullah Shadaan bildete sie das Traumpaar einer afghanischen Populärkultur, die sich ganz selbstverständlich auf einem irreversiblen Weg in die kosmopolitische Moderne wähnte. Diese optimistische Botschaft zu entschlüsseln, fiel auch den Taliban nicht schwer. Ihnen erscheint RABIA BALKHI bis heute geradezu als Symbol der kulturellen Dekadenz. Dies wiederum verleiht dem monumentalen, sowohl an Hollywood als auch an Eisenstein geschulten Historiendrama eine emanzipatorische Zeichenhaftigkeit, von der sich einst seine Macher nichts träumen ließen. Drei spannende Stunden großes Kino sind also garantiert.
VOICE OF THE MOON
AFG 1990
Experimentalfilm
Format: 30 Min.; digital
Musik: Simon Boswell
Regie: Richard Stanley
VOICE OF THE MOON zeichnet auf poetische Weise ein Bild Afghanistans nach dem Sowjetisch-Afghanischen Krieg und vor der Machtergreifung der Taliban. Ende der 1980er Jahre reiste der südafrikanischer Kultregisseur Richard Stanley nach Afghanistan und hielt dort außergewöhnliche Momente und Bilder fest. Geduldig und sensibel näherte er sich mit der Kamera den Mudschaheddin, begleitete sie in alltäglichen Situationen und erschuf so ein detailliertes Porträt des afghanischen Lebens zu jener Zeit. Ungewöhnlich ist die Machart, in der Stanley seine Eindrücke darstellt: Der Film besteht ausschließlich aus aneinandermontierten, assoziativen Bildsequenzen, afghanischer Poesie aus dem Off und der Musik des britischen Filmkomponisten Simon Boswell („Goya“, „Perdita Durango“). VOICE OF THE MOON spricht eine Bildsprache, die Afghanistan nicht auf den Status eines Kriegsschauplatzes reduziert. Auffällig hingegen ist, wie selbstverständlich die Werkzeuge und Auswirkungen des Krieges in den Alltag der Menschen integriert sind: Ein blinder Junge, der ein Gedicht vorträgt, Menschen mit klapperigen Gewehren in der Hand, die freundlich und offen in die Kamera blicken; eine Gruppe junger Männer, die wie spielende Kinder Sprengstoff in einen Fluss werfen, um Fische zu fangen. Mitreißend, bisweilen humorvoll und mit außergewöhnlicher Tiefe nähert sich Stanley der Landschaft und den Menschen aus der Perspektive eines Beobachters.
PAMIR TERRITORY
AFG 2006
Dokumentarfilm
Format: 40 Min.; digital; OmeU
Regie, Buch, Schnitt: Malek Shafi´i
Kamera: M. Haidari, N. Jalali
Erzähler: A. Awrang
Produktion: CACA-Kabul (Center of Art and Culture of Afghanistan) u. Imam Hadi Institut

Eine Reise fast bis ans Ende der Welt, festgehalten in Form einer angenehm altmodischen Dokumentation, und das auf höchst überzeugende Weise. Die Provinz Wakhan liegt im äußersten Nordosten, wo – umgeben von Pakistan, China und Tadschikistan ein schmaler Zipfel afghanischen Territoriums tief ins Pamir-Gebirge hineinreicht. Die Menschen in dieser überwältigend schönen Landschaft sprechen untereinander verschiedene, noch durch kein Schriftsystem oder gar Wörterbuch erfasste Sprachen, sie gehören der Religionsgemeinschaft der Ismailiten an, und sie fristen, weit verstreut, überwiegend eine sehr karge Existenz als Selbstversorger. Anlass der Reportage sind einmal mehr die ersten Präsidentschaftswahlen, doch dieser Anlass tritt bald hinter die Neugier und Überraschung der Filmemacher zurück, die am Rand ihres Heimatlandes eine vollständige Welt vorfinden. Ihr Befremden und ihre tastende Annäherung an die Menschen wird in einem durchgängigen Kommentar artikuliert, durch den sich für den westlichen Betrachter das Fremde am Fremden gleichsam verdoppelt. Und dabei ist das Team noch nicht einmal an die Grenze Afghanistans vorgestoßen. Am äußersten Punkt der Reise begegnet man Hirten aus dem weglosen Hochgebirge, die nur zum Tauschhandel mit den Ackerbauern in die Täler kommen, sich mit breitbeinigem Selbstbewusstsein der Kamera präsentieren, um dann stumm wieder zu verschwinden.
HALF VALUE LIFE
AFG 2008
Dokumentarfilm
Format: 25 Min.; digital; OmeU
Regie, Drehbuch, Kamera: Alka Sadat
Schnitt: Mujtabar Seyar, Ghayoor
Gesang: Golson Sediq
Gesangstexte: Roya Sadat
Sprecher: Manizha Adeel
Produktion: Roya Films Production
Diese 'teilnehmende Beobachtung' am Alltag einer bemerkenswerten Frau kommt ohne lange Erklärungen aus und nimmt den Betrachter direkt mit in die herrschende Unübersichtlichkeit. Denn Mariya Bashir ist als erste und einzige Staatsanwältin in Herat mit einer nahezu unmöglichen Herausforderung konfrontiert. Die Atmosphäre ihrer traditionsreichen Heimatstadt mit ihren herrlichen Bauten und Denkmälern zu genießen, bleibt der Juristin keine Zeit, steht sie doch einem für Afghanistan insgesamt nicht untypischen Sumpf von Vetternwirtschaft und Korruption gegenüber, der im Geflecht von Stammesloyalitäten und Clanstrukturen die Gesellschaft dominiert. Eine wirtschaftliche Blüte erlebt darum nur das Geschäft mit den Entführungen, während sich in der beinahe allgegenwärtigen häuslichen Gewalt von Männern gegen Frauen auch die tiefe Traumatisierung des Landes durch mehr als dreißigjährige Kriege und Kämpfe spiegelt. Sich in solchen Umständen für das Recht jener Schwachen stark zu machen, denen unter dem Deckmantel der Tradition Gewalt angetan wird – wie den oft im Kindesalter zwangsverheirateten Mädchen –, erfordert nicht nur Mut und Leidenschaft, sondern vor allem ein in allen Enttäuschungen unerschütterliches Vertrauen in die gemeinschaftsstiftende Kraft des Gesetzes.
OPIUM WAR
AFG/South Korea 2008
Spielfilm Format: digital; OmeU
Regie, Drehbuch: Siddiq Barmak
Kamera: Georgi Dzalaiev
Schnitt: Michele Hickson
Set Design: Bakhteyar Qaharov
Musik: Daler Nazarov
Darsteller:Peter Bussian, Joe Suba, Fawad Samani, Jawanmard Paiez, Marina Golbahri, Hamid Hozouri, Berrshana Bahar, Sakina Sadat, Mozhgan Joya u.a.
Produktion: Shoureh Golpareian, Siddq Barmak

Schwer fällt es nicht, Afghanistan als Ort eines postapokalyptischen Zivilisationsverlustes zu imaginieren. Zwischen Ingmar Bergmann und Mad Max, Comic und Tragödie sucht Siddiq Barmak nach einem Stil, in dem das Unbegreifliche und Unerträgliche in seinem Land symbolisch zu verdichten wäre. Zur Handlung: Ein amerikanischer Helikopter ist abgestürzt; zwei GIs haben schwer verletzt überlebt. Sie treffen auf eine afghanische Großfamilie, die in einem gestrandeten Panzer Schutz sucht, um von dort ein kleines Feld mit Mohn zu bewachen. Soldaten und Einheimische belauern, umkreisen, beschimpfen und bedrängen einander, ohne (wie zu erwarten wäre) zum Äußersten zu gehen. Gewalt wird vielmehr innerhalb der beiden 'Lager' ausgeübt: Der Weiße gegen den Schwarzen hier, Mann gegen Frau da, Herr gegen Knecht. Am Ende fällt der große UN-Wahlzirkus über die Anti-Idylle herein, auch das macht nichts besser. Barmaks Groteske hätte womöglich das Zeug zu einem Kultfilm, bliebe einem nicht jedes Lachen im Halse stecken. Dass der blonde Amerikaner im Film den Namen Don Johnson trägt, spricht gleichwohl für Ironie. Und mitten im 'Trash' gelingen im kargen Wüsten-Ambiente doch immer wieder eindrucksvolle Tableaus und intensive Bildsequenzen. Eine Zumutung – und deshalb unbedingt sehenswert. In Anwesenheit des Regisseurs Siddiq Barmak.
THE BOY WHO PLAYS ON THE BUDDHAS OF BAMIYAN
GB 2003
Dokumentarfilm Format: 96 Min., digital, OmeU
Regie: Phil Grabsky
Schnitt: Phil Reynolds
Musik: Dimitri Tchamouroff, Dawood Sarkhosh
Produktion: Seventh Art

Im Zentrum der Dokumentation steht der achtjährige Mir, der unter Umständen äußerster Not in einer Höhle im Bamiyan-Tal lebt, gleich unterhalb der Nischen, aus denen die Taliban im Jahr 2001 zum Entsetzen der Weltöffentlichkeit die monumentalen Buddhastatuen herausgesprengt haben. Mir ist ein fröhlicher kleiner Kerl, frech und unerschrocken, ebenso neugierig wie intelligent. Als wichtigste Lektion in seinem kurzen Leben hat er gelernt, die Dinge so zu nehmen, wie sie kommen. Denn er gehört zu einer Familie aus dem Volk der Hazara, die schon vor der Talibanherrschaft aus ihrem Heimatdorf vertrieben wurde, und deren erwachsene Mitglieder durch Krieg und Verfolgung physisch und psychisch schwer gezeichnet sind. Die unverwüstliche Lebensfreude des kleinen Jungen dient so in Phil Grabskys einfühlsamer Langzeitstudie, die einmal rund um das Kalenderjahr führt, gleichsam als Gegengewicht zu all dem Elend, das Mir als selbstverständlich hinnimmt. Die Eindringlichkeit, der Appellcharakter des ruhig und langsam dahinfließenden Films wird dadurch nur verstärkt.
KABULI KID
AFG/FR 2009
Spielfilm
Format: 95 Min.; digital; OmeU
Regie,Drehbuch: Barmak Akram
Kamera: Laurent Fleutot
Schnitt: Hervé de Luze, Pierre Haberer
Darsteller: Hadji Gul, Valéry Schatz, Amèlie Glenn, Mohammad Chfi Sahel, Helena Akram, u.a.
Produktion: Olivier Delbosc, Marc Missionnier

Der Taxifahrer Khaled schenkt der burkaverhüllten Frau wenig Beachtung, die gleich bei Fahrtantritt zahlt und ganz plötzlich verschwindet. Erst später wird er auf das Bündel aufmerksam, das auf der Rückbank zurückgeblieben ist: ein kleiner Junge, höchstens ein halbes Jahr alt. „The Kid in Kabul“ müsste der Film also eigentlich heißen, denn wirklich entwickelt sich eine liebevoll durchgespielte Variation auf Charlie Chaplins unvergessliche Stummfilmkomödie. Khaled ist allerdings kein Tramp, sondern ein nachdenklicher und verantwortungsvoller Mann, der mit Vater, Frau und Töchtern in bescheidenen Verhältnissen lebt und es einst weit bringen wollte. Entsprechend anders sind die Fragen, mit denen das Kabuli Kid, das ihm niemand abnehmen möchte, seinen von der Not gedrungenen Versorger konfrontiert: Handelt es sich vielleicht (wie einst bei Moses) um ein Gottesgeschenk, wo sich das Ehepaar doch nichts mehr wünscht als einen Sohn? Verbietet nicht die afghanische Ehre, den Beistand westlicher Helfer zu suchen? Kann das Vorbild Salomons helfen, unter vielen verhüllten Frauen die wahre Mutter des Kindes zu finden? Ohne jede Hektik und ohne auf preiswerten komischen Effekt zu schielen, über weite Strecken mit dokumentarischem Gestus entfaltet Barmak Akram seine Geschichte. Er bringt so ein soziales Panorama hervor, das sich um Menschen dreht, die man ganz normale Leute nennen würde, wenn sie nur in irgendwie normalen Verhältnissen leben könnten.
THE BEAUTY ACADEMY OF KABUL
USA 2007
Dokumentarfilm
Format: 73 Min.; digital; OmeU
Regie: Liz Mermin

Entwicklungshilfe einmal anders: Unterstützt (unter anderem) durch internationale Fashion-Magazine und Kosmetik-Konzerne wie Vogue oder Clairol, reist eine Gruppe von Haar-Stylistinnen nach Afghanistan, um dort der ersten Schule für Beauty-Spezialistinnen nach Vertreibung der Taliban zu einem fachlichen Fundament zu verhelfen. Nur unangebrachte Arroganz kann am Nutzen dieses einzigartigen Entwicklungsprojektes zweifeln; fast jeder aktuelle afghanische Film belegt, dass Freiheit nicht zuletzt die Freiheit ist, das Haar nach eigenem Wunsch zu tragen, sei es offen, sei es unter dem Schleier. Die Kamera folgt den ehrenamtlichen Lehrerinnen, unter denen sich neben drei gebürtigen Amerikanerinnen auch drei Afghaninnen befinden, die nach Jahrzehnten im Exil zum ersten Mal in ihr Heimatland zurückkehren. Anrührend und oft auch humorvoll wird ins Bild gesetzt, wie Frauen mit ganz unterschiedlichen Lebenshintergründen zueinander finden und sich eine Grundlage erarbeiten, auf der Verständigung und Erfahrungsaustausch möglich werden.
TARE TU, PUDE MAN │ GEMEINSAMES LEBEN
AFG 2008
Dokumentarfilm
Format: 24 Min.; digital; OmeU
Regie: Aarzoo Burhani
Ein filmischer Essay über jenes Kleidungsstück, das in Orient und Okzident zum potenten Symbol für den Streit und die Verwirrung um Islam und Islamismus avanciert ist: die Burka. An ihr scheiden sich auch in Afghanistan die Geister, aber eben nicht entlang so strikter Grenzen, wie es das Vorurteil will. Für nicht wenige AfghanInnen ist die Ganzkörperhülle kulturelle Selbstverständlichkeit. Dabei ist man sich nicht bewusst, dass die sogenannte Tradition noch jung und recht unklaren Ursprungs ist. Und hat nicht der brutale Rigorismus der Taliban dem einst fraglos Akzeptierten seine 'Natürlichkeit' für immer genommen? Aarzoo Burhani geht ihr schwieriges Thema ganz pragmatisch an, sie sucht nach dem Sitz des sich Verbergens im Leben und stellt einfache Fragen: Wie wird die Burka hergestellt? Was heißt es, sie zu tragen? Wie sieht die Welt durch ein gewebtes Gitter aus? Wie werden Burkaträgerinnen – von wem - wahrgenommen? Ohne vordergründige Polemik gelingt es ihr so, die heterogenen und (oft in sich) widersprüchlichen Bedeutungen, die der Burka zugeschrieben werden, zu erhellen, Verständnis zu vermitteln und Vorurteile abzubauen.
UP TO THE PARLIAMENT
Dokumentarfilm
Format: 53 Min.; digital; OmeU
Regie, Buch, Schnitt: Malek Shafi`i
Kamera: Mohammad Haidari
Produktion: Caca-Kabul mit Unterstützung der Friedrich Ebert Stiftung
UP TO THE PARLIAMENT dokumentiert den politischen Kampf dreier unabhängiger Frauen aus drei verschiedenen Provinzen, die sich um einen Sitz im ersten afghanischen Nachkriegsparlament bewerben: Sohaila Alkozai lebt in der Hauptstadt Kabul. Die Unternehmerin errichtet mit ihrer Baufirma Schulen und muss sich immer wieder mit dem Widerstand der Warlords auseinandersetzen. Fozya Wazakzai, die erste weibliche Anwältin in Nordafghanistan, lebt mit ihren Kindern in der Provinz Balkh und arbeitet für eine unabhängige Menschenrechtsorganisation, die insbesondere Frauen unterstützt. Zarmina Zare aus der abgelegenen Provinz Faryab ist Witwe. Seit ihr Mann vor neun Jahren durch die Taliban ermordet wurde, muss sie versuchen, sich und ihre Kinder selbständig durchzubringen, was ihr nicht leicht fällt. Und da Faryab noch immer vom Einfluss verschiedener Warlords dominiert wird, bedeutet politisches Engagement noch immer Kampf und Gefahr. Alle Frauen jedoch treffen in der Öffentlichkeit auf eine Mauer aus Befremden und Verlegenheit, an der ihre Reden und Taten abzuprallen drohen.
SAHAR, THE YOUNG CARPET MAKER
AFG 2008
Dokumentarfilm
Format: 26 Min., digital, OmeU
Regie: Taj Mohammad Bakhtari
Kamera: Mohammad Reza Hossaini
Ton: Taj Mohammad Bakhtari, Mirwais Hashimi, Mehdi Zafari, Ebrahim Bamiyani
Schnitt: Aurélie Ricard
Produktion: Les Ateliers Varan, Cinecinema, (Kabul) Taimani Films
Der Vater der gerade einmal 14 Jahre alten Sahar hat eine Marktlücke entdeckt: Nach fotografischen Vorlagen webt er Teppiche, die als genuine Einzelstücke gute Preise bringen und nicht mit Massenware konkurrieren müssen. Dabei hat er seiner Tochter beträchtliche Verantwortung übertragen; während er selbst fürs Kreative zuständig ist, liegt die Verantwortung für den Herstellungsprozess in der Manufaktur in Sahars Hand. Doch das Mädchen muss nicht nur dafür sorgen, dass die beiden Lehrjungen ordentlich arbeiten, sondern sie hat auch zuhause die Aufsicht über ihre jüngeren Brüder. Zudem ist Sahar eine der besten Schülerinnen in ihrer Klasse. Kein Wunder, dass sie selbst schon nicht mehr weiß, ob sie sich noch als Arbeiterin oder schon als Managerin fühlen soll. Sie hat allerdings auch eine Perspektive, für die zu lernen sich lohnt: Der Vater hebt nicht nur gegenüber seinen Kunden lautstark die Verdienste seiner Tochter hervor, sondern er hat auch – vollends ungewöhnlich – beschlossen, das Familiengeschäft später an Sahar zu übergeben.
BULBUL, THE CITY BIRD
AFG 2008
Dokumentarfilm
Format: 27 Min., digital, OmeU
Regie: Mohammed Reza Hossaini
Kamera: Mohammad Reza Hossaini
Ton: Taj Mohammad Bakhtari, Mirwais Hashimi, Mehdi Zafari, Ebrahim Bamiyani
Schnitt: Aurélie Ricard
Produktion: Les Ateliers Varan, Cinecinema, (Kabul) Taimani Films
Der halbwüchsige Bulbul verdient sein Geld als Autowäscher im populären Kabuler Viertel Karte Seh. Gemeinsam mit zwei Freunden, die natürlich auch Konkurrenten sind, hält er Tag und Nacht und Sommers wie Winters Ausschau nach Autos, die eine Politur vertragen können. Nach jeder Autowäsche feilschen Bulbul und seine Kumpane mit den Fahrern um ein paar Afghani; wer nicht (genug) zahlen möchte, wird mit drastischen Worten verflucht. Für die meisten Autobesitzer geht es um nicht mehr als um ein kleines Trinkgeld; für die Jungen und ihre Familien steht jedoch Tag für Tag das Überleben auf dem Spiel. Um so schöner, wenn man sich als 'Mann' beweisen und der Mutter daheim ein paar Scheine mitbringen kann.
A LIGHT IN THE DARK
AFG 2007
Theaterverfilmung
Format: 44 Min., digital, OmeU
Die mit einfachen Mitteln, aber durchaus erkennbarem Stilwillen gedrehte Verfilmung eines kurzen Theaterstücks vermittelt einen unmittelbaren Einblick in jenen Kulturkampf, der für die universalen Werte von Toleranz und Menschlichkeit auch nach Entmachtung der Taliban längst noch nicht gewonnen ist. Und obwohl sich das Stück sichtlich an 'einfache' Afghanen richtet und die Auseinandersetzung zwischen dem Todeskult der Islamisten und einem Plädoyer für das Leben in harten Schwarz-Weiß-Kontrasten in Szene setzt, handelt es sich nicht etwa um Agitprop. Vielmehr versuchen die Theatermacher, die Hintermänner der Suizid-Attentäter mit ihren eigenen Waffen zu schlagen, indem sie den Hasspredigten eines düsteren Mullahs die 'Stimme der Wahrheit' als Vertreterin eines authentischen Islam entgegensetzen.
AFGHAN GIRLS CAN KICK
AFG 2007
Dokumentarfilm
Format: 50 Min.; digital, OmeU
Regie, Kamera, Ton, Produktion: Bahareh Hosseini
Schnitt: Marta Velasquez
Musik: The Afghan Music Project, Ashina's Music Class, Marta Velasquez
Darsteller: Team der Frauen-Fussball-Mannschaft, u.a.

Dass es überhaupt ein Team gibt, das sich als afghanistanische Frauen-Nationalmannschaft bezeichnen kann, ist der Einzelinitiative weniger Enthusiastinnen zu verdanken, die sich beharrlich über alle Widerstände hinweggesetzt haben. Gleichwohl ist an einen regelmäßigen Spielbetrieb nicht zu denken, und internationale Auswahlmannschaften finden aufgrund der Sicherheitslage ohnehin nicht ihren Weg nach Kabul. Da bedeutet die Einladung zu einem Turnier im pakistanischen Islamabad für die Spielerinnen eine lang ersehnte Anerkennung und der Auftritt auf dem Rasen des Jinnah Stadium eine Chance zur Bewährung, die von den jungen Mädchen und Frauen mit enormem Ehrgeiz genutzt wird. AFGHAN GIRLS CAN KICK nimmt die durchaus historisch zu nennende Reise der Spielerinnen zum Anlass, nach der uns in weiten Teilen so fremden Normalität des Lebens junger Frauen in einem Land zwischen Hoffnung und Krise zu fragen. Die Kamera beobachtet Training und Spiele der Mannschaft, konzentriert sich aber vor allem auf die individuellen Geschichten, welche die verschiedenen Spielerinnen hierher geführt haben. Eindrucksvoll wird so dokumentiert, wie junge Frauen nach der Taliban-Herrschaft selbstbewusst und beharrlich die Chancen ergreifen, die sich ihnen bieten und darum kämpfen, durch Verwirklichung ihrer Träume auch ihr Land zu verändern.
AN APPLE FROM PARADISE
AFG 2008
Spielfilm Format: 125 Min.; digital; OmeU
Regie: Hamayoun Morowat
Drehbuch: Daoud Wahab, Hamayoun Morowat
Kamera: Zinull Abuddin Wasee
Schnitt: Waqef Al Hussaini, Rafei Behroozian
Musik: Qasim Ramishgar
Darsteller: Rajab Hussainov, Hashmatullah Fanaee, Wali Talash, u.a.
Produktion: Roya Aziz (Star Group Media)

Yaqub, ein alter Bauer, kommt in die Hauptstadt Kabul, um seinen Sohn Yousuf zu besuchen, den er – ein frommer, tief in der Tradition verwurzelter Mann – in die Obhut einer Religionsschule (Madrasa) gegeben hat. Doch Yousuf, erfährt er, ist verschwunden, und bald stellt sich heraus, dass der Junge in den Bannkreis der Islamisten geraten und zum Selbstmord-Attentäter bestimmt worden ist. Auf dem Hintergrund der aus der Bibel und dem Koran vertrauten Geschichte von Jakob und Josef (und seinen Brüdern) entfaltet sich die Suche nach dem verlorenen Sohn als Stationendrama, das kreuz und quer durch die im Religionskrieg zwischen vermeintlicher Tradition und Moderne zerrissene afghanische Gesellschaft führt. Hamayoun Morowats leidenschaftlich engagierter Film nimmt klar Partei und stellt den bigotten Zynismus selbsternannter heiliger Männer offen zur Schau. Den westlichen Betrachter rührt er gleichwohl dort am stärksten an, wo er plakative Stellungnahmen beiseite lässt und den tiefgehenden Identitätskonflikt des Protagonisten in kleinen Gesten und im mimischen Detail sichtbar macht. Mit Rajab Hussainov in der Rolle des Yaqub hat er dabei einen Darsteller gefunden, der in jeder Szene zu überzeugen und noch in der tiefsten Demütigung seine Würde zu wahren weiß.
AFGHAN CHRONICLES
CAN 2007
Dokumentarfilm
Format: 53 Min., digital, OmeU
Regie, Kamera, Ton: Dominic Morissette
Drehbuch: Catherine Pappas, Dominic Morisette
Schnitt: Myriam Poirier
Produktion: Nathalie Barton (InformAction), Yves Bisaillon (National Film Board of Canada)

Foto: Dominic Morissette
Zwar besteht in Afghanistan seit dem Sturz der Taliban prinzipiell Meinungsfreiheit, aber das bedeutet nicht, dass Journalisten – zumal kritische – schreiben können, was sie wollen. Unter denen, die es wagen, auch einmal an die Grenzen zu gehen, nimmt die Verlagsgruppe »Killid Media« einen hervorragenden Platz ein. Neben dem Nachrichtenmagazin »Killid« [Schlüssel] und dem an eine weibliche Leserschaft adressierten Schwesterblatt »Mursal« [Blume], die beide reißend Absatz finden, betreibt der Verlag auch eine populäre Rundfunkstation. Dominic Morissette, Regisseur der in Kanada produzierten Dokumentation, ist sich glücklicherweise seiner Außenperspektive sehr bewußt; darum gelingt es ihm, sein scheinbar abstraktes Thema in eine anschauliche Form zu bringen. Nicht nur Reporter und Herausgeber lässt er zu Wort kommen, sondern auch Kunden, Nicht-Leser und Menschen, die nicht lesen können. Und in einem geschickten Schachzug räumt er einem jener Agenten die zentrale Stelle ein, die – oft Einzelstück für Einzelstück – den Vertrieb der Blätter an kleine Geschäftsinhaber und Straßenverkäufer gewährleisten. Meinungsfreiheit wird hier in kleiner Münze und kleinen Scheinen verrechnet. Und aus dieser Sichtweise werden nicht allein die Schwierigkeiten illustriert, die dem Kampf gegen Analphabetismus und Unbildung, Vorurteile und kulturelle Tabus entgegenstehen. Sondern der Zuschauer unternimmt mit der Kamera auch einen interessanten Streifzug durch das Kabul der Nachkriegszeit, wo die Betriebsamkeit des Wiederaufbau-Booms hart mit alltäglicher Not und Elend aufeinanderstoßen.
TWENTY FIVE PERCENT
AFG 2007
Dokumentarfilm
Format: 38 Min.; digital, OmeU
Regie: Diana Saqueb
Was in keiner westlichen Republik politisch durchzusetzen wäre, hat sich auf internationalen Druck Afghanistan verordnet: die Frauenquote. Ein Viertel der Sitze im ersten Nachkriegsparlament sind für Frauen reserviert. Der Dokumentarfilm begleitet einige dieser Abgeordneten im häuslichen, beruflichen und politischen Alltag. Die Mühen und Schwierigkeiten, denen die Frauen durch ihre mehrfache Belastung ausgesetzt sind, werden dabei ebenso plastisch herausgearbeitet wie die oft tragischen Geschichten aus den jüngstvergangenen Jahrzehnten, auf die wohl jede afghanische Familie zurückblickt. Und nur bewundern kann man die bestens informierte Coolness, mit der die meist hoch gebildeten Frauen ihre Funktion in einer durch Ablehnung bestimmten Umgebung wahrnehmen. Von besonderem Interesse sind die ungeschnittenen Sequenzen, mit denen Sitzungen des Parlaments und seiner Ausschüsse dokumentiert werden denn hier treten die unerschütterten Strukturen einer traditionell männerdominierten Gesellschaft hervor. An den Reaktionen und Kommentaren der in ihrer Selbstherrlichkeit verletzten Patriarchen zeigt sich ganz unvermutet, dass die Machos aller Herren Länder über kulturelle Differenzen hinweg durch eine Internationale des Vorurteils verbunden sind: väterliche Herablassung, plumpe Herrenwitze oder die gespielte Unschuld der 'wahren' Demokraten, all dies hat man auch bei uns so gesehen und gehört und hört und sieht es noch.
BREAKING THE SILENCE
GB 2002
Dokumentarfilm
Format: 59 Min.; digital; OmeU
Regie: Simon Broughton
Kamera: John Beck, Frank Schneider
Schnitt: David Charap Musikalische
Beratung: John Baily
Produktion: Carl Simons

Bilderstürme und Bilderverbote hat es in der Kultur- und Religionsgeschichte mehr als einmal gegeben. Einzigartig dagegen ist der Versuch des Talibanregimes zwischen 1996 und 2001, ein Land (fast) ohne Musik hervorzubringen. Simon Broughtons BBC-Dokumentation ist bereits kurz nach Sturz der diktatorischen Sektenherrschaft entstanden, aber aufgrund ihrer weitgespannten Perspektive unvermindert aktuell: Die Frage nach der Legitimität der Musik – und stets lautet die Frage: welcher Musik? - erweist sich geradezu als Schlüssel, der differenzierte Einblicke in die spannungsreiche kulturelle Vielfalt Afghanistans und weit zurück in die wechselvolle Geschichte des Landes eröffnet. Dazu tragen nicht zuletzt historische Filmsequenzen bei. Interviews mit Zeugen des Terrors machen die rücksichtslose Brutalität der Taliban nachvollziehbar, während Gespräche mit nach Pakistan und in den Westen emigrierten Musikern davon zeugen, wie wenig es den Islamisten gelungen ist, die musikalische Identität des Landes zu liquidieren.
WAR AND LOVE IN KABUL / MEIN HERZ SIEHT DIE WELT SCHWARZ. EINE LIEBE IN KABUL
D 2009
Dokumentarfilm
Format: 86 Min., digital, OmdU
Regie, Drehbuch: Helga Reidemeister
Kamera: Lars Barthel
Ton: Nic Nagel, Katharina Geinitz
Schnitt: Marzia Mete
Produktion: Zoran Solomun, Helga Reidemeister, Ohne Gepäck, Berlin

Ein Leben im Wartestand, ohne jede positive Perspektive, dem jederzeit der Sturz ins Nichts droht. So muss man fast wünschen, dass sich das Leben weiter im Takt jener quälend langsamen Schwünge bewegt, mit denen der querschnittsgelähmte Hossein sich auf seinen Krücken voranschleppt. Von Kindesbeinen an haben er und die Nachbarstochter Shaima in dem Gefühl gelebt, sie seien füreinander bestimmt. Krieg und Flucht, sogar Hosseins Verkrüppelung durch einen Granatsplitter hat diese Liebe überstanden. Und doch hat sie keine Zukunft. Nicht nur, weil Hossein auch unter besseren Umständen kaum fähig wäre, eine Familie zu ernähren. Sondern vor allem weil Shaima von ihrem Vater, um des Brautpreises willen, zur Ehe mit einem 40 Jahre älteren Mann gezwungen worden ist, von dem sie eine Tochter hat. Zwar lebt sie wieder im Haus ihrer Eltern – denn die Hälfte der Mitgift steht noch immer aus -; aber Aussichten auf eine Scheidung gibt es nicht, denn das einst bezahlte Geld ist längst verbraucht, und der arbeitslose Patriarch lebt buchstäblich vom Verkauf seiner Töchter. Helga Reidemeisters Film besticht durch den konsequenten Verzicht auf jede billige Romantik: Es ist und bleibt ein Elend, das ihre Kamera aufzeichnet, und die Liebenden sind zwei Ertrinkende, die sich auch deshalb aneinander klammern, weil sie von ihren eigenen Familien gerade so geduldet, aber auch nur geduldet werden. Ehre, Gewalt, Tradition, materielle Interessen: in den Gesprächen mit allen Beteiligten verschlingt sich all dies unauflöslich – und dennoch auf seltsam nachvollziehbare Weise.
KABUL FOOTBALL CLUB
AFG 2006
Dokumentarfilm
Format: 52 Min., digital, OmeU
Regie: Thierry Trelluyer
Schnitt: Pascal Ariel
Ton: Nicolas Delloye
Sprecher: Olivier Claverie
Das Fußballstadion, das einst so belebt und beliebt war, wurde während des Taliban- Regimes als Schauplatz von Hinrichtungen missbraucht; die Zuschauer, die einst der Nationalmannschaft zujubelten, wurden nun zu Augenzeugen jener Greuel-Taten degradiert, die von den Taliban mit dem Ziel der Abschreckung und Disziplinierung der Bevölkerung öffentlich in der Arena ‚in Szene’ gesetzt wurden. Vor Beginn des Einmarsches der Russen war die afghanische Nationalmannschaft hochmotiviert und hatte so manche Erfolge gefeiert. Ali Askar Lali, ein ehemals bekannter und gefeierter Fußball-Star, der seiner Mannschaft in den 1970er Jahren mit einem entscheidenden Tor zum Sieg gegen Pakistan verhalf, emigrierte nach der Intervention der Russen nach Deutschland. Als die afghanische Nationalmannschaft sich während der Moskauer Olympiade abseilte, um gegen den Einmarsch der Russen zu protestieren, fanden die Spieler bei Ali Askar Lali in Deutschland einen ersten Zufluchtsort. Obwohl er seit 25 Jahren im Exil lebt, kehrt Ali Askar Lali 2006 zurück nach Afghanistan, um als Coach an den vergangenen Erfolg anzuschließen: Ein Spiel gegen Pakistan steht an und der Remigrant hat nur wenige Tage Zeit, um die Mannschaft zu trainieren. Angemietete Militärflächen oder andere Provisorien dienen als Trainingsplatz für die noch sehr unstrukturierte Elf, doch all diese Hindernisse versucht Ali Askar Lali mit großem Engagement zu überwinden.
KURZFILMROLLE
Short Cuts Cologne präsentiert Afghan Shorts
ZENDAN │ GEFÄNGNIS
(AFG, 14 Min.)
REGIE, BUCH: JAWED TAIMAN
KAMERA: CHRISTOPHE FOLCONNET
SCHNITT: FRANCIS MATAGUEZ
SET DESIGN: GALIEN MALFERRIOL
DARSTELLER: AZIZ AZZAD, NASEER ALQAS, KAYHAN NOORISTANI, ZALIKA, NAGIWA, ATIQULLAH ASKIR U.A.
PRODUKTION: FX ZONE
EINE EPISODE AUS JENER VERGANGENHEIT, AUS DER NUR ALLZU SCHNELL AUCH WIEDER AFGHANISTANS ZUKUNFT WERDEN KÖNNTE. DER ORGANISATOR EINER (SELBSTVERSTÄNDLICH ILLEGALEN) MÄDCHENSCHULE WIRD VERHAFTET; ALS ER SICH WEIGERT, DIE NAMEN DER BETEILIGTEN ELTERN PREISZUGEBEN, WIRD ER GEFOLTERT. EINE KOMPROMISSLOSE DIREKTE KONFRONTATION MIT DEM TERROR-REGIME DER TALIBAN.
SKATEISTAN
(D, 13 Min.)
PRODUKTION: N24 TV
FERNSEHREPORTAGE ÜBER EIN UNGEWÖHNLICHES HILFSPROJEKT, DAS UNTER ANDEREM MIT DEUTSCHER HILFE AFGHANISCHEN KINDERN UND JUGENDLICHEN – JUNGEN WIE MÄDCHEN – DAS SKATEBOARD ALS MITTEL DER FREIZEITGESTALTUNG NAHEBRINGEN MÖCHTE. DIE BEGEISTERUNG IST GROSS. OB SICH AUCH DIE ERWÜNSCHTEN ERZIEHUNGSEFFEKTE UND ÄNDERUNGEN IN DEN WERTMASSSTÄBEN EINSTELLEN WERDEN, MUSS DIE ZEIT ZEIGEN.
WATER AND SEED … FREEDOM
(AFG, 9 Min.)
REGIE, BUCH, PRODUKTION: SULTAN MASOUD ARIFI
KAMERA: ROMAL YOUSOFZAI
SCHNITT: AH. SAMIR RASSOLY
DARSTELLER: M. ZAKI HARFI, ASADULLAH SALIHE, HAROON ARYA, U.A.
PRODUKTION: SHA RUKH FILMS
ZWEI MOTIVE, DIE IN KEINEM IN KABUL SPIELENDEN FILM FEHLEN DÜRFEN, STEHEN IN DIESEM KURZFILM ENDLICH EINMAL IM MITTELPUNKT. EIN JUNGE, DER SICH EIN WENIG GELD ALS WASSERVERKÄUFER VERDIENT, HAT SICH IN EINE DER ZAHLLOSEN TAUBEN 'VERLIEBT', WIE SIE VON HÄNDLERN IM BASAR FEILGEBOTEN WERDEN. DOCH ER KANN SICH KEINE HOFFNUNG MACHEN, DAS NÖTIGE GELD JEMALS AUFZUBRINGEN.
THE LAST SHOUT
(AFG, 7 Min.)
REGIE, ANIMATION, PRODUKTION: SAYED ALI REZA SAJIADE
MUSIK: HOMAYOON HOHNER
EIN ÜBERAUS CHARMANTER KLEINER ANIMATIONSFILM MIT DEM EWIG JUNGEN THEMA 'BOY MEETS GIRL', ORIGINELL VERPACKT: IN DEN HAUPTROLLEN ZWEI STREICHHÖLZER. DERGLEICHEN WÜRDE MAN AUS AFGHANISTAN ZULETZT ERWARTEN; UMSO WICHTIGER IST ES, AUCH DIESE ANDERE SEITE DER AKTUELLEN FILMISCHEN PRODUKTION DES LANDES WAHRZUNEHMEN.
1 + 1 = 1
(AFG, 4 Min.)
Regie, Schnitt: Mirwais Rekab
Kamera: Jamal Nasar Sarwari
Darsteller: Shabnam Sima, Farooq Baraki, Robaba Ahmadi u.a.
Produktion: New Wave Cinema
Der kurze Film versucht, das Thema 'Gewalt gegen Frauen' bzw. 'in der Ehe' einerseits direkt, zugleich aber auch auf dem Umweg eines formalen Experimentes anzugehen, und so Stoff zum Nachdenken zu geben. Die Rechnung des Titels, in der die Frau nicht(s) zählt, steht zwar am Ende, soll aber nicht das letzte Wort sein.
In Anwesenheit des Filmemachers.
SHATTERED HOPES
(AFG, 9 Min.)
sw/Farbe
Regie, Kamera: Radar Akbar
Schnitt: Sayed Ali Meriy
Musik: Nikos Kypourgos
Produktion: Gesellschaft für technische Zusammenarbeit
Black Bush
Afg, Juli 2008
Dokumentarfilm
Format: 10 min. digital
Regie: Soraya Rahmati
Kamera: Osman Payam
Ton: Mohammad Homayon
Schnitt: Nesarahmad Salihi
Beratung und Produktion: Ibrahim Arify
Produktion: RTA, DED, AGEF, Payam Pictures
Hope of Health
Afg. 2008
Dokumentarfilm
Format: 8 min. digital
Regie: Mohammad Iqbal Hamdard
Kamera: Osman Payam
Ton: Mohammad Homayoun
Schnitt: Nesarahmad Salihi
Beratung und Produktion: Ibrahim Arify
Produktion: RTA, DED, AGEF, Payam Pictures
Nedamat
AFG, 2008
Kurze Spielfilm Format: 11 min. digital
Regie: Qader Aryaei
Kamera: Osman Payam
Ton: Hamayon Arify
Aufnahmeleiter: Wali Talash, Hendukosh- Film
Darsteller: Treena, Qader Aryaie, Enayat Bayat, Salar Aryaie, Farangis Talash, Sahar Arify
Beratung und Produktion: Ibrahim Arify
Produktion: RTA, DED, AGEF, Payam Pictures
Play with Destiny
AFG/ 2008
Dokumentarfilm
Format: 12 min. digital
Regie: Mohammad Iqbal Hamdard
Kamera: Osman Payam
Ton: Mohammad Homayoun
Schnitt: Nesarahmad Salihi
Beratung und Produktion: Ibrahim Arify
Produktion: RTA, DED, AGEF, Payam Pictures
Rasender Reporter
AFG, 2009
TV Reportage Format: 16 min. digital
Drehbuch: Holger Büth
Regie, Kamera: Ibrahim Arify
Schnitt: Nesarahmad Salihi
Produktion: ZFD, DED
First Wheel
AFG, 2009 Dokumentarfilm Buch, Regie: Nabi Tanha Kamera: Ibrahim Sekandari Beratung: Ibrahim Arify Produktion: Jawansherfilm, Nabi tanha Unterstützt von: DED, ZFD
Impressionen aus einem improvisierten Lager, in dem noch immer viele afghanische Flüchtlinge täglich ums Überleben kämpfen müssen. Die Kamera beobachtet vor allem die Kinder, deren Lebensmut sich auch unter solch trostlosen Umständen nicht verleugnen lässt.
In Anwesenheit der Regisseurin.
