Wir haben für Sie ein buntes und anspruchsvolles Programm aus Film und Kultur zusammengestellt, dass eine Brücke zwischen Afghanistan und Deutschland schlägt. Wir sind froh Ihnen Filme von den besten Filmemachern aus Afghanistan und Exil-Afghanen, die in Europa und in den USA leben, zeigen zu dürfen. Im folgenden wollen wir Sie Ihnen kurz vorstellen.
Spielfilme
Ghame Afghan - Die Trauer des Afghanen
Regie: Mark M. Rissi & Zmarei Kasi, Afghanistan/CH, 1986, OmeU, 86min.
Djumas Vater war - wohl zur Zeit der Republik unter dem Präsidenten Daud, also noch vor dem Einmarsch der sowjetischen Truppen - von der Geheimpolizei eingekerkert worden. Sein Bruder Hakeem wird jetzt deren Opfer, weil er einem Widerstandskämpfer gegen das kommunistische Regime das Leben zu retten versuchte. Daraufhin beschließt die Familie, nach Pakistan zu fliehen. Die nun mittellose und entwurzelte Familie findet sich in der neuen Situation des Flüchtlingslagers nicht mehr zurecht. Die jüngere Schwester Mina wird auf offener Straße entführt, an einen reichen Händler verschachert und zwangsweise mit ihm verheiratet. Die Männer werden von Werbern aufgefordert, mit den Mudschaheddin in den Heiligen Krieg zu ziehen. Der Film zeigt ein Land im Bürgerkrieg, aber er zeigt auch ein Afghanistan, das mehr ist als nur Kriegsschauplatz - die karge schöne Landschaft, Kinder bei ihren Spielen, das alltägliche Leben im Dorf.
Es wird auch in einigen Schlüsselszenen ersichtlich, dass die Afghanen teilweise Sklave ihrer Kultur und Mentalität werden und dadurch in schwierige Situationen geraten und die Opferrolle übernehmen.
Die neunte Kompanie
Regie: Fjodor Bondartschuk, Russland, 2005, OmeU, 129min.
Ein Film über die Sinnlosigkeit des Krieges. Er spielt zur Zeit der russischen Invasion in Afghanistan. Russische Soldaten werden auf den Einsatz in einem Camp vorbereitet. Sie werden dort gedemütigt und an ihre körperlichen Grenzen gebracht. Sie denken sie sind gut vorbereitet, bis sie nach Afghanistan geschickt werden und das wahre Gesicht des Krieges erleben. Selbst diejenigen, die nichts erschüttern konnte und die besonders aggressiv sind, erleben Dinge, die sie schwer traumatisieren.
Dokumentationen
Cabal in Kabul
Regie: Dan Alexe, Frankreich, 2006, OmeU, 52min.
Die letzten beiden Juden in Kabul leben in einer alten Synagoge. Sie halten nicht etwa zusammen, sondern hassen sich bis aufs Blut. Isaac verkauft Amulette, die böse Geister vertreiben sollen und Zabulon verkauft Wein aus Eigenherstellung. Beide verbreiten fast die gleichen Gerüchte übereinander. Eine amüsante und gleichzeitig traurige Dokumenation über eine Minderheit in Kabul.
Enemies of Happiness
Regie: Helle Faber, Dänemark, 2006, OmeU, 59min.
„Enemies of Happiness“ ist ein Dokumentarfilm über die bekannteste Parlamentarierin Afghanistans: Malalai Joya. Auf der Loya Jirga, der ersten großen Ratsversammlung hat sie kritisiert, dass die sog. Warlords das Recht hätten zu kandidieren. Diesen Mut hat in Afghanistan bisher keine Frau gehabt. Ab dem Zeitpunkt ist klar, dass ihr Leben bedroht wird. Die Dokumentation begleitet Malalai Joya bei ihrer Arbeit in der Provinz Farah und stellt dar, mit welchen Problemen sie konfrontiert wird: Konflikte, die sie lösen muss, wobei sie gleichzeitig mitten im Wahlkampf steckt und um ihre Sicherheit bangt.
Es wird schnell klar, dass die Dinge in Afghanistan nicht von heute auf morgen zu ändern sind und Diplomatie manchmal besser ist als die Wahrheit laut auszusprechen.
Wasser ist Leben – Dokumentarfilm des Afghanischen Frauenvereins e.V.
Regie: Nadia Karim, Christian Schulke, Deutschland, 2008, 10min.
“Wasser ist Leben“ sagt ein afghanisches Sprichwort. Nur ein kleiner Teil der afghanischen Bevölkerung wird mit einwandfreiem Trinkwasser versorgt. Fast 90 Prozentder Menschen haben keine andere Alternative als verschmutztes und verseuchtes Wasser aus Kanälen und Bächen zu nutzen, im Winter greifen sie auf Regenwasser zurück. Auf Initiative von Roger Willemsen, Schirmherr des Vereins, und mit der finanziellen Unterstützung vieler einzelner Förderer des Projektes konnten mittlerweile mehr als 50 Trinkwasserbrunnen gebaut werden - und weitere sind in Planung. Der Film liefert einen Einblick in die Situation der Menschen in den Dörfern und begleitet Roger Willemsen sowie die Brunnenbauer bei ihrer Arbeit.
Taxi zur Hölle
Buch und Regie: Alex Gibney, USA, 2007, 115min.
„Taxi zur Hölle“ ist eine Dokumentation über einen jungen afghanischen Taxifahrer, der von den Amerikanern festgenommen wird, weil er angeblich ein Talib ist. Er wird nach Bagram ins Gefangenlager gebracht und dort innerhalb von Tagen zu Tode gequält. Das ist der rote Faden der Dokumentation. Generell werden die Foltermethoden der Amerikaner dar- und in Frage gestellt. Haben sie Methode oder sind es Handlungen einzelner schwarzer Schafe? Diese Frage versucht der Film zu beantworten.
Getauschte Blicke – Theaterleben in Kabul
Dokumentation von Jutta von Stieglitz Yousufy, Deutschland, 2006, OmU, 43min.
Ein Film über die ersten Theaterschauspieler nach dem Krieg. Es werden verschiedene Schauspieler vorgestellt, sowie die Direktorin des Kabuler Theaters. Sie ist nach dem Krieg zurückgekehrt um das Theater, dass nur noch eine Ruine war wiederaufzubauen. Dort hat sie auch ihre große Liebe wiedergetroffen und geheiratet.
Die Schauspieler erzählen von ihren Problemen, der fehlenden Anerkennung und Akzeptanz ihrer Arbeit. Dies geht sogar soweit, dass Familien ihre Kinder verstoßen. Trotzdem besitzen die Schauspieler den Mut und die Hartnäckigkeit, weil sie von der Wichtigkeit ihrer Arbeit überzeugt sind.
Lima
Regie: Mehdi Zafari, Afghanistan, 2006, OmeU, 16min.
Eine außergewöhnliche Geschichte: Ein blindes älteres Ehepaar hat eine kleine Tochter. Sensibel wird deren Alltag beschrieben. Die kleine Tochter hat keine Ahnung, dass ihre Eltern blind sind und bewältigt den Alltag mit Bravour.
Die Augen von Ariana
Regie: Ricardo Macian, Spanien, 2007, OmeU, 91min. DEUTSCHLANDPREMIERE
Ein Dokumentarfilm über neun tapfere Filmemacher, die während der Talibanherrschaft das Archiv von Afghan Film vor der Vernichtung retten.
Sie haben ihr Leben riskiert, damit ihre Arbeit, die die Kultur und die Schönheit des Landes widerspiegelt erhalten bleibt.
A day in the life of Rahela
Regie: Dil Afroz Zeerak, Afghanistan, 2006, OmeU, 27min.
Rahela steht für viele afghanische Mädchen, die zur Schule gehen und daneben den harten Alltag innerhalb der Familie bestehen. Sie lernt weiß aber nicht warum, da sie weiß, dass ihre Eltern sie später nicht arbeiten lassen. Lieber macht sie schwere körperliche Arbeiten, weil sie darin einen unmittelbaren Sinn erkennt.
Dream of light
Regie: Ibrahim Bamiani, Afghanistan, 2006, OmeU, 23min.
„Ein Traum vom Licht“ handelt von der fehlenden Elektrizität in Afghanistan. Die Dokumentation beginnt mit Bildern, die heute nur schwer vorstellbar sind: Kabul erstrahlt im Lichterfest, obwohl schwarz-weiß gibt es einen Eindruck von der damaligen Pracht. Der Weg zurück ist ein langer und beschwerlicher. Mit unfreiwillig komischen Momenten zeigt der Film wie die Menschen im Alltag damit umgehen.
Patcha Khan
Regie: Taj Mohamad Bakhtari, Afghanistan, 2006, OmeU, 20min.
Es gibt viele Witwen in Afghanistan, aber von Witwern und ihrem Alltag weiß kaum einer. Dieser Film greift eine rührende Geschichte eines Witwers heraus, der sich liebevoll um seine vier Kinder kümmert. Ein Bild von einem afghanischen Mann, fernab von den patriarchalischen Klischees. Die Bilder sprechen für sich.
Laila
Regie: Batol Rezaie Muradi, Afghanistan, 2006, OmeU, 33min.
Eine vergessene Randgruppe in Afghanistan: Psychisch kranke Frauen, die von ihren Familien in einem Heim abgeben wurden und teilweise schon 30 Jahre dort untergebracht sind. Der Film lässt die Frauen sprechen und stellt ihre Sorgen, Ängste aber auch ihre Träume und Wünsche dar. Laila ist eine von ihnen.
My Kabul
Regie: Whahid Nazir, Afghanistan, 2006, OmeU, 21min.
Ein Film über eine Taxifahrt durch Kabul. Die Gäste unterhalten sich über die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft Afghanistans. Der Zuschauer enthält interessante Einblicke über die Meinung des Volkes.
Das Mohndorf
Regie: Ghafoor Zamani, Afghanistan, 2007, deutsche Fassung, 25min.
Diese hochaktuelle Dokumentation stellt die Absurdität der Drogenbekämpfung in Afghanistan dar. Hauptkommissar Nasari, der Drogenfelder zerstören soll, weiß, dass er nicht konstruktiv arbeiten kann, spielt das Spiel aber mit.
1,2,3
Regie: Alka Sadat, Afghanistan, 2006, OmeU, 30min.
Ein Film über die die drei Hauptprobleme der Frauen, die ignoriert werden:
Erstens: Selbstverbrennung aufgrund von größter Verzweiflung der Frauen, die keinen Ausweg mehr für sich sehen. Zweitens: Frauen, die minderjährig verheiratet werden. Heute immer noch eine bittere Realität in Afghanistan. Drittens: Frauen, die bei islamischen Richtern Hilfe suchen, um ihre Familienprobleme zu lösen.
We are postmodernist
Regie: Alka Sadat, Afghanistan, 2006, OmeU, 5min.
Diese Dokumentation schildert die Situation von obdachlosen Kindern und wie sie trotz größter Armut und miserablen Lebensumständen ihren Alltag meistern.
Kurzfilme
The Road
Regie: Fahim Hashimy, Afghanistan, 2002, Stummfilm, 5min.
Ein Kurzfilm, der von einem Jungen erzählt, der durch eine Begegnung mit einem gleichaltrigen Mädchen überzeugt wird sein Leben als Wegelagerer und Räuber zu beenden.
David shakes his head
Regie: Tamim Nashir, USA, 2006, O-Ton, 35min.
Ein Film über einen jungen Amerikaner, der mit sieben Jahren mit seiner Mutter von zuhause flieht. Mit 17 Jahren erfährt er warum: Sein Vater war ein Junkie. Vor lauter Schmerz und Verzweiflung darüber wird er selber zum Heroinabhängigen. Selbst seine große Liebe kann ihn nicht retten.
Tamim Nashir ist ein junger Exil-Afghane, der in den USA lebt und seit 1998 als Drehbuchautor und Regisseur arbeitet. „David shakes his head“ ist sein dritter Kurzfilm.
Naan - Brot
Regie: Masud Ataei und Haroon Kharga, Deutschland, 2000, Stummfilm, 15min. DEUTSCHLANDPREMIERE
Dieser schwarz- weiß Stummfilm spielt zur Zeit der Talibanherrschaft. Ein Mann hat keine Arbeit und weiß nicht, wie er seine Kinder ernähren soll. Der Hunger wird so groß, dass er ein Laib Brot klaut, obwohl er weiß, dass ihm nach der Scharia die Hand dafür abgehakt wird. Die Taliban erwischen ihn und haken ihm tatsächlich die Hand ab.
Ein Film, der einen Auszug der Greueltaten aus der Talibanherrschaft darstellt.
Zitat von Masud Ataei (Regisseur): „Der Film ist deshalb schwarz-weiß, weil das Leben für die Menschen während der Herrschaft der Taliban keine Farbe hatte. Der Film ist deshalb ohne Worte, weil in dieser Zeit die Menschen nichts zu sagen hatten.“
The way home
Regie: Mirwais Rekab, Afghanistan, 2006, OmeU, 8min.
Ein Kurzfilm, der die Minenproblematik thematisiert. Kinder, die sich in Gefahr begeben wird erklärt, warum sie die markierten Wege nicht betreten dürfen und insbesondere beim Spielen darauf achten sollten.
Weggefährte
Regie: Mirwais Rekab, Afghanistan, 2006, OmeU, 38min.
Ein Film über die ethnischen Konflikte in Afghanistan. Ein Bus, in dem sich Reisende verschiedener Ethnien befinden, gerät in einen Unfall. Wie so oft entsteht hier ein Streit, in der wieder einmal die ethnischen Unterschiede eine Rolle spielen. Ein alter weiser Mann bringt die Gruppe schleißlich zur Vernunft. Ein Film, der in erster Linie ein didaktisches Motiv hat.
Goltschera - Blumengesicht
Regie: Abdul Rashid Azimi, Afghanistan, 2005, OmeU, 45min.
Ein 70 jähriger Mann nutzt die finanzielle Not einer Familie aus und verspricht Hilfe, will aber im Gegenzug deren 11jährige Tochter zur Frau. Ein Familiendrama, das in den Provinzen Afghanistans traurige Realität ist.
Der Fremde
Regie: Sidik Barmak, Afghanistan, 1986, OmeU, 38min.
Afghanistan in den 70er Jahren. Ein Großgrundbesitzer besucht einen seiner Bauern mit seinem amerikanischen Gast. Der Grund ist die Frau des Bauern, die für ihre wunderschöne Stimme bekannt ist. Der Gutsherr will seinem Gast diese mit ihren Gesängen unterhalten. Der Ehemann fühlt sich in seiner Ehre uns seinem Stolz verletzt. Da lässt die Rache für die Schmach nicht lange auf sich warten.
Celebrating Eid behind the window
Regie: Qader Aryaie, Afghanistan, 2005, OmeU, 35min.
Eid ist das religiöse Fest, womit die Moslems den Fastenmonat beenden. Er wird groß gefeiert. Eine Frau verkauft einen Teil ihres Schmucks, um Lebensmittel und Geschenke für ihre Kinder zu kaufen. Sie heuert einen Jungen an, der die Einkäufe auf einem Wagen transportieren soll. Dieser stiehlt ihre Einkäufe. Eine Verfolgungsjagd beginnt. Ein Film über die gegenwärtige Einstellung der Menschen in Kabul: Es herrscht Egoismus und Skrupellosigkeit.
Animation
Panaa - Shelter
Mohsen Husseini, Afghanistan, 2007, 6min. - DEUTSCHLANDPREMIERE
Shelter ist die erste afghanische Animation überhaupt. Sie stellt mit minimalistischen Eindrücken die Wende zwischen Frieden und Krieg dar.
